Informationen und Anmerkungen


Akademisierung der Erzieher/innen-Ausbildung

Unter Verweis auf einen Beitrag in der FAZ stellt jurabilis die Frage, was eigentlich gegen eine Akademisierung der Ausbildung für “Kindergärtnerinnen” spricht.

Unabhängig davon, dass es “Erzieher” bzw. “Erzieherin” heisst weil Kinder nicht auf Bäumen wachsen, liegt die Antwort auf der Hand: Der BAT! Wären Erzieherinnen nämlich akademisch gebildet, dann müsste man Sie nicht in die Vegütungsgruppe BAT VI eingruppieren, sondern eher in die Vergütungsgruppe BAT III. Und das wird den Trägern der entsprechenden Einrichtungen einfach zu teuer. Dabei ist zu beachten, dass die Eltern in diesem Bereich über die Kindergartengebühren ohnehin schon einen besonders grossen Anteil der Kosten tragen, so dass die Mehraufwendungen für da Personal nicht ohne weiteres auf sie abgewälzt werden können.

Es ist in der Tat eine Schande, dass bei den Verantwortlichen immer noch die Auffassung vorherrscht, dass mein eigentlich keine besondere Qualifikation benötigt, um Kinder zu erziehen. Interessanterweise geht die Diskussion über die Qualifikation der Erzieherinnen und (viel zu wenigen) Erzieher ja auch erst los, seitdem man sich wieder darüber klar geworden ist, dass in den Kitas eben nicht “nur erzogen”, sondern auch “gebildet” werden soll (§ 22 SGB VIII).

Auch die FAZ ist aber nicht ganz ehrlich: Denn die extrem lange Ausbildungszeit der Erzieherinnen und Erzieher kommt nur dadurch zustande, dass ihnen Pflichtpraktika abverlangt werden, in deren Rahmen sie aber häufig schon als vollwertige Mitarbeiter eingesetzt werden.

Auf der anderen Seite ist eine akademische Ausbildung auch nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss: Wenn die FAZ darauf verweist, dass Deutschland mit Österreich und Malta das einzige Land der westlichen Welt sei, in dem Erzieherinnen nicht akademisch gebildet werden, dann wird dabei doch übersehen, dass es mit den Fachschulen in Deutschland Ausbildungseinrichtungen unterhalb des akademischen Niveaus gibt. Es spricht grundsätzlich überhaupt nichts dagegen, das Niveau dieser Ausbildung auf einen Standard zu bringen, der demjenigen eines akademischen Studiengangs in anderen europäischen Ländern entspricht. Als Vorbild dafür könnten etwa die differenzierten Ausbildungen im Handwerk gelten, die teilweise ein Niveau erreichen, das hinter einem Fachhochschulstudium nicht zurück stehen muss. Der einzige Unterschied bestünde dann darin, dass der Zugang zu den entsprechenden Ausbildungsgängen auch mit einem mittleren Bildungsabschluss möglich wäre.


Dieser Eintrag wurde am Donnerstag, den 15. September 2005 um 10:00 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Bildungsrecht zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


2 Kommentare zu “Akademisierung der Erzieher/innen-Ausbildung”

  1. Jens

    Warum sollte man Erzieher akademisieren? Sicher benötigt man besondere Qualifikationen, aber ein Studium?

  2. Johannes Rux

    Ich habe ja darauf hingewiesen, dass es Alternativen zur Akademisierung gibt. Dennoch stellt sich die Frage, wieso es für die Tätigkeit in einem Kindergarten ausreicht, nach der mittleren Reife eine Fachschulausbildung gemacht zu haben, während man ab der Grundschule ein abgeschlossenes Hochschulstudium voraussetzt. Selbst wenn man davon ausgehen würde, dass das Qualifikationsniveau von Erzieher/inne/n und Grundschullehrer/inne/n vergleichbar ist (was derzeit definitiv nicht der Fall ist), bleibt das Problem der unterschiedlichen Bezahlung: Bis heute hängt die Eingruppierung im Öffentlichen Dienst vom Ausbildungsniveau ab.

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