Informationen und Anmerkungen


Klage gegen Pflicht zum 10-Finger-Schreiben

Der SPIEGEL berichtet über die Klage eines Norderstedter-Azubis, der sich weigert, das von der Berufsschule verlangte 10-Finger-System zu erlernen. Zur Begründung verweist er darauf, dass er mit dem für ihn gewohnten System “Zwei-Finger-Adlerauge” wesentlich schneller tippen kann. Genau das scheint er im praktischen Unterricht auch bewiesen zu haben. Seine Lehrerin habe ihm dennoch eine 6 angekündigt, wenn er das verlangte System bei der Prüfung nicht beherrschen sollte.

Nun kann man sich fragen, was die Aufregung soll: Denn schliesslich kommt es für das Abschlusszeugnis eines Kaufmanns für Bürokommunikation kaum darauf an, was er in der Berufsschule geleistet hat, da die entsprechenden Noten bis heute nicht in das Abschlusszeugnis einfliessen. Immerhin könnte ein künftiger Arbeitgeber beim Blick ins Schulzeugnis dennoch ins Grübeln kommen. Und das wäre ja nicht schön, da man bei der derzeitigen Lage auf dem Arbeitsmarkt ja schon froh sein muss, überhaupt einmal zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden. Zudem kommt dem Zeignis der Berufsschule möglicherweise dann Bedeutung zu, wenn sich der jetzige Azubi nach dem Ende seiner Ausbildung weiter qualifizieren will.

Ob sich das Gericht tatsächlich mit der Klage auseinander setzen wird, hängt entscheidend davon ab, wie sicher die Bewertung schon jetzt. An sich müsste der Kläger ja warten, bis die 6 im Zeugnis erscheint und dann Anfechtungsklage erheben. Aber da hoffen wir mal auf die Qualität des Anwaltes…

Wenn es zum Schwur kommen sollte, wird dem Gericht kaum etwas anderes übrig bleiben, als der Klage statt zu geben. Denn selbst wenn in den einschlägigen Prüfungsordnungen davon die Rede sein sollte, dass die Beherrschung des “Zehn-Finger-Systems” vorausgesetzt wird, wäre dies eine unzulässige Vorgabe. Für den Nachweis der Qualifikation eines Kaufmanns für Bürokommunikation kann es nämlich nicht darauf ankommen, mit wie vielen Fingern er schreibt, sondern nur darauf, wie schnell er einen Text fehlerfrei in die Tasten hacken kann.

Aber das ist nur meine Meinung - und ich bin ja befangen, weil ich selbst nur mit 4 bis 5 Fingern schreibe, das aber immerhin blind…


Dieser Eintrag wurde am Freitag, den 7. Oktober 2005 um 15:50 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Bildungsrecht zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


5 Kommentare zu “Klage gegen Pflicht zum 10-Finger-Schreiben”

  1. Tommy

    Denn selbst in den einschlägigen Prüfungsordnungen davon die Rede sein sollte, dass die Beherrschung des “Zehn-Finger-Systems” vorausgesetzt wird, wäre dies eine unzulässige Vorgabe

    Ich finde es seltsam, dass diese unzulässige Vorgabe erst im Jahre 2005 zu Komplikationen führt, und nicht schon in den unzähligen (Berufs-) Schülergenerationen vorher.

  2. jorux

    na ja: Wo kein Kläger, da kein Richter… Und ausserdem gibt es nur wenige Menschen, die mit Vier-Finger-Adlerauge schneller sind als mit dem 10-Finger-System. Und nur dann wird es ja knifflig. Wer beim Beginn der Ausbildung noch auf der Tastatur vor sich hinsucht, der wird sich wohl oder übel mit dem klassichen System anfreunden müssen.

  3. Kevin

    Also ich bin selbst als Dozent für 10-Finger-Schreiben tätig. Ich bestehe zwar schon darauf, dass die SchülerInnen während der Unterrichtsstunden das System lernen, aber bei den Prüfungen ist es mir letztlich egal, wie getippt wird. Selbst wenn die Erfahrung zeigt, dass das 10-Finger-System auf weite Sicht das stabilere Gerüst bietet auf dem schnelles und sicheres Schreiben aufgebaut wird, muss nicht der mustergültige Weg für jeden Menschen der Beste sein. Wichtig ist, dass die Schüler sich mit dem korrekten System auseinandergesetzt haben und dann aus freien Stücken entscheiden, wie sie die Prüfung bestehen wollen. Aber ehrlich gesagt ist es bis jetzt noch nie vorgekommen, dass jemand das Zweifingersystem vorgezogen hat bzw. damit ernsthaft schnell und sicher eine Abschreibprobe gemeistert hat. Vielleicht reicht es aber gerade noch für eine 4.0 und dann ist es ja auch vielleicht schon OK für den oder die Betreffende(n) :)

  4. Alba

    Ob da ein künftiger Arbeitgeber beim Blick ins Schulzeugnis darob dennoch ins Grübeln kommt … und dann aus diesem Grunde eine Absage an den Bewerber liefern würde … na ja, scheint ein wenig zu weit hergeholt zu sein :-)

  5. ANITA

    MEIN NUMM ASS ANITA
    WAT ASS DAT HEI?

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