Informationen und Anmerkungen


Kopftuchverbot in Bayern verabschiedet

Der bayerische Landtag hat am Donnerstag das Gesetz über das Erziehungs- und Unterrichtswesen um eine Passage ergänzt, nach dem die Lehrkräfte den in Art. 1 und 2 niedergelegten Bildungs- und Erziehungsauftrag sowie die Lehrpläne und Richtlinien für den Unterricht und die Erziehung zu beachten haben. Sie müssen die verfassungsrechtlichen Grundwerte glaubhaft vermitteln. Äussere Symbole und Kleidungsstücke, die eine religiöse oder weltanschauliche Überzeugung ausdrücken, dürfen von Lehrkräften im Unterricht nicht getragen werden, sofern die Symbole oder Kleidungsstücke bei den Schülerinnen und Schülern oder den Eltern auch als Ausdruck einer Haltung verstanden werden können, die mit den verfassungsrechtlichen Grundwerten und Bildungszielen der Verfassung einschliesslich den christlich-abendländischen Bildungs- und Kulturwerten nicht vereinbar ist. (Art. 59 II 1-3 BayEUG neu)

Nach Ansicht von Kultusministerin Hohlmeier sei damit das Tragen von Kopftüchern im Unterricht verboten. Die jüdische Kippa oder eine christliche Ordenstracht seien hingegen zulässig, da die Kirchen und die jüdischen Kultusgemeinden ohne Wenn und Aber zum Grundgesetz stünden.

Da fällt mir eigentlich nur noch eines ein: “Oh Herr, schmeiss Hirn ra!” (für Menschen, die des Schwäbischen nicht mächtig sind: “Lieber Gott, lass Verstand vom Himmel regnen.”) Wenn man schon mit dem Empfängerhorizont argumentiert, dann sollte man wenigstens konsequent sein. Ebenso wie es genügend (leider wohl immer mehr) Menschen gibt, die das Kopftuch mit einer radikalen Auslegung des Islam verbinden, gibt es doch tatsächlich Menschen, die beim Anblick einer Kutte an Hexenprozesse, Kreuzzüge und das Zölibat denken. Sollen diese Menschen wirklich darüber bestimmen, wie es in den Schulen zu geht?

Aber was soll’s, meine Fingerkuppen sind langsam wund.


Dieser Eintrag wurde am Freitag, den 12. November 2004 um 15:41 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Bildungsrecht zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


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