Informationen und Anmerkungen


Schulpflicht gilt auch in Hamburg

In einer heute veröffentlichten Entscheidung ist das VG Hamburg zu dem Ergebnis gekommen, dass Eltern keinen Anspruch auf Befreiung von der Schulpflicht haben, wenn sie ihre Kinder aus Glaubens- und Gewissensgründe zuhause unterrichten wollen. Dem ist im Grunde nichts hinzuzufügen: Der Versuch, Kinder vor der Konfrontation mit Ansichten und Informationen zu schützen, die im Widerspruch zu den Glaubensvorstellungen der Eltern stehen, ist angesichts der allgemeinen Schulpflicht zum Scheitern verurteilt. Und das ist auch gut so. Denn wie schwach muss ein Glaube oder eine Weltanschauung sein, dass er diese Konfrontation scheuen muss? Die immer wieder erhobene Forderung nach einem pluralistischen Schulsystem, in dem die Eltern unter einer grossen Vielfalt von Bildungsangeboten bis hin zum Hausunterricht wählen können, verdeckt auch, dass sich diese Vielfalt für die Kinder ggf. reichlich einfältig darstellt, da sie nur eine Vorstellung von der Welt erfahren - das mag ihr Selbstbewusstsein und ihren Glauben stärken. Ob sie eine solche Bildung dazu in die Lage versetzt, sich in einer pluralistischen Gesellschaft zurecht zu finden, kann und muss man aber bezweifeln.

Dazu eine kleine Anekdote: Letztens habe ich von einem jungen deutschen Geologen gehört, der in Utah eine Dozentenstelle an einer Universität erhalten hat. Bei Exkursionen muss er nun immer wieder Studierende erleben, die so fest im Glauben verwurzelt sind, dass sie versuchen, die Bodenschichten den einzelnen Tagen der Genesis zuzuordnen. Erst in späteren Semestern reift dann allmählich die Erkenntnis, dass die biblische Schöpfungsgeschichte nicht geeignet ist, die Geschichte der Erde zu erklären…


Dieser Eintrag wurde am Montag, den 6. März 2006 um 20:51 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Bildungsrecht, Staatsrecht zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


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