Informationen und Anmerkungen


Gewalt an Schulen

Das Thema “Gewalt an Schulen” geistert seit Jahren durch die Presse. Heute sprechen alle über die Berliner Rütli-Schule (vgl. die Lichtenrader Notizen, den Spiegel und vor allem den Tagesspiegel).

Mittlerweile hat der zuständige Senator die Verhältnisse klar gestellt hat: Die Lehrer fordern keineswegs die Schliessung ihrer Schule, sondern einen Neuanfang. Genau dafür investiert der Senat jetzt in Sozialarbeiter und die Kooperation mit den Trägern der Jugendhilfe. Natürlich wäre es möglich, die Schüler - und Lehrer - der Schule auf andere Einrichtungen zu verteilen und am bisherigen Standort mit anderer Besetzung von vorne zu beginnen. Nachdem es anderen Schulen gelungen ist, vergleichbare Konflikte in den Griff zu bekommen, sollte das aber auch in Neukölln möglich sein.

Die entscheidende Frage ist aber, wie der Konflikt überhaupt so weit eskalieren konnte. Hier ist möglicherweise ein Detail entscheidend: Die bisherige Schulleiterin ist mittlerweile im Krankenstand, der Posten des Stellvertreters konnte seit längerem nicht besetzt werden. Dies deutet darauf hin, dass es an der Schule seit langem nicht zum Besten stand - und dass dies den Schulbehörden auch bekannt war. Den Schulleitern kommt aber gerade dann, wenn den Schulen ein grosser Spielraum eingeräumt wird, eine ganz entscheidende Bedeutung zu. Sie prägen das Profil der Schule massgeblich - und sie haben es in der Hand, Konflikte frühzeitig aufzulösen. Sind sie mit dieser Aufgabe aus persönlichen Gründen oder wegen der besonderen Situation an der Schule überfordert, müssen die Schulaufsichtsbehörden eingreifen bevor sich die Betroffenen völlig aufgerieben haben.

Warum hat man also nicht viel früher jemanden wie Siegfried Arnz an die Schule geholt, der sich in einer vergleichbaren Situation bereits bewährt hatte? Vielleicht hat hier die Schulaufsicht versagt, weil man nicht erkannt hat, dass die Schulleiterin entweder entlastet oder ersetzt hätte werden müssen. Vielleicht gibt es aber auch schlicht nicht genügend Schulleiter, die einer solchen Aufgabe gewachsen sind. Denn schliesslich kann nur jemand Schulleiter werden, der zuvor Lehrer war. Lehrer werden aber zu Spezialisten für die Vermittlung von Wissen ausgebildet, während hier doch viel eher die Kompetenz von Sozialarbeitern gefragt wäre. Tatsächlich soll der Rütli-Schule nun ja durch Schulsozialarbeiter geholfen werden - wobei angesichts der Lage der öffentlichen Haushalte fast zu befürchten ist, dass dafür an anderen Stellen eingespart wird.

In diesem Zusammenhang ist weiterhin festzuhalten, dass der Job des Schulleiters für einen engagierten Lehrer an einer Hauptschule schlicht nicht attraktiv ist: Das Gehalt bleibt häufig unverändert. Und der mit der anderen Amtsbezeichnung verbundene Prestigegewinn wird locker durch die zusätzlichen Belastungen ausgeglichen. Es ist daher kein Wunder, dass sich oft nur oder vor allem solche Lehrkräfte um Schulleitungsfunktionen bewerben, die an ihrer pädagogischen Arbeit verzweifeln und einen Ausweg suchen, wie sie dem Klassenzimmer entkommen können, ohne ganz den Dienst zu quittieren. Dies kann unter Umständen gut funktionieren - in einer Situation wie an der Rütli-Schule in Neukölln ist es hingegen fatal.

Kleine Anmerkung am Rande: TribunIus hält die Ereignisse in Neukölln für keinen Einzelfall und verweist auf den Zustand an einer Schule im vergleichsweise beschaulichen Rheinland und einen Vorfall aus dem letzten Jahr. Dort ging die Gewalt aber nicht von Schülern aus, so dass man sich eher die Frage stellen muss, was Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren dazu bringt, sich ihre Zeit damit zu vertreiben, eine Schule zu terrorisieren.


Dieser Eintrag wurde am Freitag, den 31. März 2006 um 8:13 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Bildungsrecht zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


2 Kommentare zu “Gewalt an Schulen”

  1. rx.

    Ein passender Kommentar.
    Wer Schulen vernachlässigt, muss sich nicht wundern.
    Dass die Presse diesen Fall so hochspielt und so falsche Akzente setzt, darf auch nicht wundern. Es war wohl gerade keine andere Sau da, die man durchs Dorf treiben konnte.

  2. Diana

    Brauchen unsere Schüler demnächst einen Waffenschein um den Unterricht bis zum Ende verfolgen zu können?
    Gewalt und auch Gewalt-Verherrlichung wird doch durch die Medien immer mehr gefördert.
    Selbst hinweise zur Altersbeschränkung im Fernsehen werden von den Jugendlichen als auch von den Eltern ignoriert.

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