Informationen und Anmerkungen


Der “Lecturer” als neue Personalkategorie an den Hochschulen

Bereits vor längerer Zeit hatte ich auf die Probleme hingewiesen, die sich daraus ergeben, dass die Hochschulen arbeits- und dienstrechtlich nur einen kleinen Spielraum für die befristete Einstellung von Dozenten haben. Dies ist zum einen wegen der zweckmässigen Verwendung der Einnahmen aus den Studiengebühren ein Problem, andererseits wegen der Notwendigkeit, die in den nächsten Jahren zu erwartende “Überlast” abzufedern.

Nun gibt es allmählich die ersten Vorschläge, wie diese Probleme gelöst werden sollen. Insbesondere wurde eine neue Kategorie des Hochschullehrers ins Spiel gebracht, nämlich den “Lecturer” - der m.E. besser als Hochschuldozent bezeichnet wäre. Dies wäre in meinen Augen - bei einer sachgerechten Ausgestaltung und Ausstattung der entsprechenden Stellen - in der Tat sinnvoll, da damit auch dem Umstand Rechnung getragen werden könnte, dass nach der geltenden Rechtslage ab dem 29.2.2008 zahlreiche hochqualifizierte Wissenschaftler aus dem Dienst der Hochschulen ausscheiden müssten.

Der Hochschulverband hat dazu heute ein Eckpunktepapier veröffentlicht, das zumindest Juristen und Angehörige anderer Disziplinen, in denen die Lehre derzeit überwiegend von “echten” Professoren erbracht wird, stutzig machen sollte.

Nach dem Papier des DHV soll beim Lecturer zwischen Junior- und Senior-Positionen unterschieden werden. Die Stellen der Junior-Lecturer sollen dabei offenbar als Qualifkationssstellen angesehen werden - und damit im Ergebnis die bisherigen wissenschaftlichen Mitarbeiter ersetzen. Allerdings bei einer mehr als dreimal so hohen Lehrverpflichtung! Wirklich qualifizierte Lehre, die das bisherigen Lehrangebot der Professoren ergänzen könnte, ist unter diesen Umständen allenfalls von den Senior-Lecturers (oder Lecturern?) zu erwarten. Die sollen zwar ggf. eine Möglichkeit bekommen, doch noch zu vollwertigen Professoren aufzusteigen. Dabei bleibt aber zum einen offen, wie die Kollegen die dafür in der Regel erforderlichen Publikationsleistungen erbringen sollen. Zum anderen soll auch das Gehalt dieser Dozenten an das das wissenschaftlichen Mitarbeiter angeglichen werden - und wenn das kein Dumping ist, dann weiss ich auch nicht mehr…

Wieder einmal zeigt sich, dass die Lehre an den Hochschulen allzu häufig nur als Anhängsel der Forschung betrachtet wird. Schade!

Noch sind die Diskussionen nicht am Ende. Es liegt vor allem an den Studierenden, auf die jetzt schon desolaten Bedingungen hinzuweisen und auf eine sachgerechte Verwendung ihrer Gebühren zu drängen. Bisher tut sich hier aber reichlich wenig.


Dieser Eintrag wurde am Montag, den 4. September 2006 um 17:14 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Arbeitsrecht, Bildungsrecht, Verwaltungsrecht zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


2 Kommentare zu “Der “Lecturer” als neue Personalkategorie an den Hochschulen”

  1. Lars Hüning

    Was ist denn eine sachgerechte Ausgestaltung und Ausstattung für die neue Kategorie Hochschuldozent? Wie viel Lehre ist angemessen? Wie sollen Karrierewege eines Hochschuldozenten aussehen? Wissenschaftskarrieren sind doch im wesentlichen forschungsabhängig.

  2. Johannes Rux

    Gute Fragen…

    1. Für die Ausstattung könnte ich gerne eine Wunschliste zusammen stellen. Aber das war wohl nicht gefragt ;-) Was sachgerecht ist, hängt letzten Endes davon ab, welche Aufgaben den Hochschuldozenten zugewiesen werden. Auch muss ggf. nach Fachgebieten differenziert werden. Geht man davon aus, dass diese überwiegend in der Lehre tätig sein sollen, bedarf es neben einem Grundstock an Verwaltungsmitteln, technischer Ausstattung und Literatur vor allem der Unterstützung bei der Abnahme von Prüfungsleistungen - bzw. eine entsprechende Bemessung der Lehraufgaben, so dass die Dozenten die Prüfungsleistungen selbst abnehmen können.

    2. Damit komme ich zu Frage 2: Wenn man will, dass die Dozenten selbst prüfen, darf die Lehrverpflichtung nicht zu hoch bemessen werden. Geht man davon aus, dass Universitätsprofessoren die Hälfte ihrer Arbeitszeit für die qualifizierte Lehre nutzen sollen, würde eine volle Lehrstelle derzeit 16 bis maximal 18 SWS entsprechen. Das entspricht dem Deputat der Lehrkräfte für besondere Aufgaben an den Universitäten, die nach den Vorgaben der KMK 12 bis 16 SWS lehren sollen - wobei viele Länder derzeit mit fragwürdigen Methoden versuchen, diese Lehrverpflichtung hochzuschrauben.

    Die Obergrenze für wissenschaftliche Lehre ist m.E. bei 18 SWS und der Beibehaltung der derzeitigen Vorlesungszeiten erreicht. Bei einer solchen Belastung bleibt schon kaum noch Zeit, um der Entwicklung der Fachdisziplin zu folgen. Eigene Forschung ist de facto ausgeschlossen.

    3. Karrierewege: sind ja ohnehin schwer planbar. Bekanntermassen hat die derzeit bereits laufende Welle von Emeritierungen/Pensionierungen nur bedingt dazu beigetragen, dass sich die Chancen für den wissenschaftlichen Nachwuchs verbessert hätten, da trotz der steigenden Studierendenzahlen immer weiter Stellen gestrichen wurden. Ob die Wissenschaft überhaupt Karrieren zulässt, hängt daher massgeblich davon ab, ob es gelingt, die strukturelle Unterfinanzierung der Hochschulen auszugleichen. Der Hochschulpakt ist ein erster Schritt in diese Richtung, der aber noch lange nicht ausreicht.

    Im Interesse der Betroffenen wäre es natürlich am besten, wenn man durch die Einführung echter Lehrprofessuren eine Perspektive auf eine dauerhafte Anstellung schaffen würde. Damit würde der Lehre ein deutlich größeres Gewicht zukommen, weil es sich lohnen würde, gut zu lehren. Daran müsste eigentlich auch die Politik ein Interesse haben, da die Universitäten heute in erster Linie in ihrer Funktion als “Lehranstalten” benötigt werden.

    Keine Frage: Die Forschung ist wichtig, auch und gerade für gute akademische Lehre. Dennoch erscheint mir gerade hier ein Paradigmenwechsel dringend erforderlich zu sein: Es muss nicht darum gehen, den Hochschuldozenten Möglichkeiten zu eröffnen, doch noch so viel forschen zu können, dass sie eine Chance auf eine Professur bekommen, sondern die Lehre muss nicht nur theoretisch als eigenständiges Qualifikationsmerkmal anerkannt werden. Der Paradigmenwechsel könnte nicht zuletzt durch die Einführung von Studiengebühren angestoßen werden, weil und wenn die Studierenden damit Einfluss auf das Lehrangebot der Hochschule nehmen können.

    Hier lässt sich das alles kaum sachgerecht ausführen. Aber Sie können ja einmal auf mich zukommen ;-)

    Grüße nach Gütersloh!

    , dann wäre daher eine Lehrverpflichtung zwischen 8 und 16 Stunden möglich. Tatsächl

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