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Bildung auf einen Blick - same procedure as last year, Miss Sophie?

wie jedes Jahr, stellt die OECD in ihrer Studie “Education At A Glance” (Bildung auf einen Blick) der Bundesrepublik schlechte Noten aus. Dies führt in der Presse zu den immer gleichen Meldungen: Die Akademiker-Quote in Deutschland sei zu niedrig.

Darüber lässt sich streiten - ebenso wie über die Qualität des deutschen Bildungswesens, das sicher der einen oder anderen Verbesserung bedürfte. Die immer wieder behauptete These, dass Deutschland zu wenig Akademiker produziere, kann jedoch trotz ständiger Wiederholung nicht überzeugen, da hier eine ganz wichtige Besonderheit des deutschen Bildungswesens unter de Tisch gekehrt wird, nämlich das duale System der Berufsausbildung und die Fachschulen, die insbesondere für die Gesundheits- und Assistentenberufe entscheidende Bedeutung haben.

Formal können viele dieser Ausbildungsgänge mit dem Hauptschulabschluss oder der mittleren Reife begonnen werden. Daher fallen sie in die falsche Kategorie der OECD und werden akademischen Ausbildungen nicht gleichgestellt. Nachdem der Zugang zu sehr vielen Ausbildungsgängen faktisch zumindest die Fachhochschulreife voraussetzt, da schlechter qualifizierte Bewerber schlicht nicht angenommen werden, könnte man die Akademiker-Quote also schlicht dadurch erhöhen, dass man das Mindest-Qualifikationsniveau anhebt.

Das Problem des deutschen Bildungswesens ist nicht die zu schmale Spitze, sondern seine Unfähigkeit, allen Kindern und Jugendlichen ein hinreichendes Qualifikationsniveau zu vermitteln - und genau das, sagt bei näherer Betrachtung auch die OECD in ihren Berichten, in denen es immer wieder darum geht, dass allzu viele junge Menschen keinen Sekundarschulabschluss erwerben.


Dieser Eintrag wurde am Dienstag, den 12. September 2006 um 15:57 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Bildungsrecht zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


3 Kommentare zu “Bildung auf einen Blick - same procedure as last year, Miss Sophie?”

  1. Michael

    Eine wichtige Meinungsäußerung - ob das die Presse je erfahren wird?
    Bei dpa gibt es einen Fachmenschen für Bildung. Dem sollte man das mal verklickern.

  2. Uwe

    @ Michael:

    Das wird wohl zu nichts führen. Denn was Johannes Rux da anspricht, ist schon seit Jahr und Tag jedem bekannt, der sich nur ansatzweise mit den PISA-Umtrieben befaßt. Daß das bei der dpa oder sonst irgendwo unbekannt geblieben ist, halte ich für sehr unwahrscheinlich; es ist ja auch schon in verschiedenen Medienorganen thematisiert worden.

  3. Johannes Rux

    @Uwe
    sicher war das keine neue Erkenntnis. Es ist dennoch erstaunlich, wie reflexhaft hier immer wieder eine bestimmte Klientel “bedient” wird - zu der ich übrigens auch gehöre. Es kommt bei den Lesern einfach besser an, wenn Geld in Universitäten und Forschungseinrichtungen gesteckt werden soll. Die Forderung, benachteiligten Kindern und Jugendlichen, durch intensive Förderung auf die Beine zu helfen (vgl dazu etwa einen aktuellen und m. E. durchaus sinnvollen Vorschlag der GEW Baden-Württemberg) gehen demgegenüber fast unter.

    Um das Problem aufzuzeigen: Google News mit Stichworten “OECD zu wenig Akademiker”

    Google News mit Stichworten “GEW mehr Lehrer Migranten”

    Irgendwie wäre es mir da schon lieber, wenn die Medien nicht nur die ständig gleiche Agenturmeldung übernehmen, sondern die differenzierten OECD-Berichte tatsächlich zur Kenntnis nehmen… Vielleicht hilft der Beitrag ja dabei ;-)

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