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Intelligent Design an deutschen Schulen

SPON berichtet über Versuche, das von Reinhard Junker und Siegfried Scherer verfasste Buch “Evolution - Ein kritisches Lehrbuch” an deutschen Schulen zu verbreiten. Im Rahmen eines ARTE-Themenabends wurde gestern scheinbar deutlich, dass diese Versuche nicht nur an privaten Schulen gelungen sind, sondern auch an öffentlichen Schulen - und zwar nicht im Religions-, sondern im Biologieunterricht.

Ich will jetzt gar nicht auf den Streit zwischen Kreationisten und den Vertretern der Evolutionslehre eingehen. Spannend ist an den Berichten aber die Reaktion der Schulaufsichtsbehörden, die - völlig zu Recht - darauf hinweisen, dass das “Lehrbuch” nicht in den Schulbuchlisten stehe. Dem liegt die Vorstellung zugrunde, dass die Lehrkräfte tatsächlich auf Grundlage eines Lehrbuches unterrichten.

Wer Kinder im schulpflichten Alter hat, weiss jedoch, dass dies keineswegs “üblich” ist. Mögen Schulbücher in den siebziger Jahren das Mittel der Wahl gewesen sein, weil sie den Lehrkräften die Vorbereitung und Strukturierung des Unterrichts wesentlich erleichtert haben, hat sich das mit der Erfindung des Fotokopierers und erst recht im Zeitalter des Internet deutlich verändert: Sehr viele Lehrer nutzen nicht nur ein Lehrbuch, sondern eine Fülle verschiedenster Materialien für den Unterricht - und das ist auch gut so.

Was häufig übersehen wird: Es gibt keinen Zwang, überhaupt ein Lehrbuch zu verwenden. Selbst wenn sich die zuständige Fachkonferenz auf ein Lehrbuch verständigt hat, bedeutet das nicht, dass die einzelnen Lehrkräfte ausschliesslich dieses Lehrbuch benutzen dürften - sie müssen lediglich sicher stellen, dass die Schüler die entsprechenden Kenntnisse haben, damit ein anderer Lehrer ggf. möglichst nahtlos anknüpfen kann.

Die entscheidende Frage ist demnach, ob ein Lehrer dazu berechtigt wäre, den Schülern im Rahmen des Biologieunterrichts die Grundlagen des “Intelligent Design” oder auch des Pastafarismus zu vermitteln. Tatsächlich darf er das - sofern er ihnen auch die Evolutionsbiologie nahe bringt und sich mit den anderen Auffassungen kritisch auseinander setzt. Bezugsrahmen für diese Auseinandersetzung ist dabei die jeweilige Fachdisziplin - und danach widerspricht der Kreationismus auch in der Unterform des “Intelligent Design” den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaft.


Dieser Eintrag wurde am Mittwoch, den 20. September 2006 um 9:50 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Bildungsrecht zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


2 Kommentare zu “Intelligent Design an deutschen Schulen”

  1. Herby

    Das sehe ich nicht so und genau deshalb finde ich einen solchen Schulunterricht selbstverständlich. Die Evolutionstheorie wird in einzelnen Punkten haefugi falsifiziert und es gibt genuegend Naturgesetze die dagegensprechen. Warum wird bei der Evolution / dem Urknall eine Ausnahmen aller Naturgesetze und wissenshaftlichen Standards gemacht? Normalerweise gilt eine Theorie als falsch wenn eine oder mehr Falsifizierungen vorliegen, bei der Evolution nicht.

  2. Johannes Rux

    @Herby: Es ist interessant, dass Sie meine Kritik am “Intelligent Design” zum Anlass nehmen, die Wissenschaftlichkeit der Evolutionstheorie in Frage zu stellen. Selbst wenn die von Kreationisten vorgebrachte Kritik an der Evolutionstheorie in vollem Umfang zutreffen würde (was nicht der Fall ist, da diese Kritik auf einem allzu naiven Verständnis der Wissenschaftstheorie beruht), wäre es aber kaum sinnvoll, dieses Modell durch ein noch schlechteres zu ersetzen, oder?

    Wie dem auch sei: Diese Fragen sollten hier nicht ausführlicher diskutiert werden, da gibt es andere Foren, die weit mehr bieten, als die Kommentare zu diesem Blog-Eintrag.

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