Informationen und Anmerkungen


Schulgesetzreform in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein hat die Landesregierung den Entwurf für eine Reform des Schulsystems beschlossen. Das zunächst geplante Kopftuchverbot für Lehrkräfte ist nicht mehr enthalten (was angesichts der derzeitigen Stimmungslage schon fast erstaunlich ist).

Im Kern der Reform steht die Zusammenführung der Haupt- und Realschulen zu Regionalschulen - damit folgt Schleswig-Holstein dem Vorbild einiger anderer Länder, die diese Differenzierung aufgegeben haben. Man kann nur hoffen, dass die Entscheidung in erster Linie bildungspolitisch motiviert und dementsprechend umgesetzt wird - und nicht nur eine MAssnahme zur Kostendämpfung angesichts geringerer Schülerzahlen dastellt.

Der zweite zentrale Punkt der Reform ist ein erster Schritt in Richtung auf die Einführung einer echten “Gemeinschaftsschule” nach dem Vorbild der skandinavischen Länder. In Zukunft sollen auf Antrag des Schulträgers alle Schulformen zusammengefasst werden können. In eine solche Gemeinschaftsschule kann dann auch die gymnasiale Oberstufe integriert werden. In den Klassenstufen 5 und 6 werden die Schüler gemeinsam unterrichtet, auch danach soll so weit wie möglich gemeinsamer Unterricht stattfinden.

Dieses Modell kann nicht wirklich überzeugen, da an den klassischen Bildungsgängen festgehalten wurde. Wenn manche Schüler bis zum Ende der Klassenstufe 9 “nur” den Hauptschulabschluss erreichen, sollen andere bis dahin den Zugang zur gymnasialen Oberstufe schaffen. “Gemeinsamer Unterricht” ist dann aber kaum möglich.

Man beachte: In den skandinavischen Ländern aber auch in Südkorea und anderen Staaten, die sich zur Einführung “echter” Gemeinschaftsschulen entschlossen haben, werden alle Schüler - in der Regel bis zum Ende der neunten Klasse - gemeinsam unterrichtet. Eine Differenzierung nach Bildungsgängen findet nicht statt. Vielmehr wird den besonderen Bedürfnissen der einzelnen Schüler durch eine Binnendifferenzierung Rechnung getragen. Das ist etwas völlig anderes als die Gemeinschaftsschule, wie sie nun in Schleswig-Holstein geplant ist.

Allerdings bleibt dem Land Schleswig-Holstein kaum eine andere Möglichkeit, da die Abschlüsse der Schulen des Landes ohne die Differenzierung nach den klassischen Bildungsgängen von den anderen Bundesländern möglicherweise nicht anerkannt würden. Angesichts der strikten Vorgaben der KMK kann von einem echten Wettbewerbsföderalismus keine Rede sein.

Die Lösung des Konfliktes zeichnet sich ab: Wenn die aufnehmenden Institutionen (Ausbildungsstätten und Hochschulen) über die Zulassung entscheiden, käme es nicht mehr auf den formalen Abschluss eines Bildungsganges an, sondern auf den Nachweis bestimmter Kenntnisse, Fertigkeiten und Fähigkeiten. An welcher Schulart diese Qualifikation erworben wurde, spielt dann keine Rolle mehr. In vielen anderen Ländern funktioniert dieses Modell - und dementsprechend kommt den Ergebnisses landesweit durchgeführter Testverfahren entscheidende Bedeutung zu. Genau in diese Richtung gehen mittlerweile auch die deutschen Länder durch die Einführung von Bildungsstandards und zentraler Vergleichsarbeiten, die allerdings noch auf das jeweilige Land beschränkt sind.


Dieser Eintrag wurde am Mittwoch, den 27. September 2006 um 8:20 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Bildungsrecht zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


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