Informationen und Anmerkungen


Günther Hoegg: Schulrecht

In seinem Praxislehrbuch “Schulrecht”, das sich explizit an Lehrkräfte und diejenigen richtet, die das Lehramt anstreben, unternimmt Günther Hoegg den durchaus ehrenwerten Versuch, Lehrkräfte für die Rechtsgrundlagen ihrer Berufstätigkeit zu sensibilisieren. In der Tat stehen sich Juristen und Lehrer häufig mit grossen Vorbehalten gegenüber, da die Angehörigen beider Berufsgruppen dazu neigen, immer alles besser zu wissen. Das kann ja nicht gut gehen.

Ebenso wie für Juristen, die sich mit schulrechtlichen Fragestellungen beschäftigen, ein gewisses Gespür für die Pädagogik von essentieller Bedeutung ist, brauchen Lehrkräfte tatsächliche hinreichende Informationen darüber, was rechtlich zulässig, geboten und möglich ist. Dies gilt umso mehr, als die Rechtsordnung den Lehrkräften einen weitaus grösseren Spielraum verschafft als diese glauben. Anstatt das Schulrecht als enges Zwangskorsett zu betrachten, sollte man es daher eher als Rahmen verstehen, den die einzelne Lehrkraft oder die Schule mit ihren Organen weitgehend selbständig auszufüllen haben.

Günther Hoegg ist mit seinem Buch eine durchaus anschauliche Einführung gelungen, die für den “Hausgebrauch” im Schulalltag eine wertvolle Hilfe sein kann. Anhand von sieben Problemkreisen (Juristisches Grundwissen - Das Berufsrecht des Lehrers - Datenschutz und Urheberrecht - Die Erziehungsberechtigten - Die Schüler - Die Leistungsbewertung - Kollegen, Schulleitung und Schulaufsicht) spricht er zahlreiche Probleme an und zeigt Lösungen auf, die in der Regel durchaus praktikabel erscheinen. Besonders begrüssenswert ist dabei, dass Hoegg die Rechte der Lehrkräfte und diese dazu auffordert, diese Rechte gegenüber Dritten auch einzufordern. Dazu braucht es allerdings starke Persönlichkeiten, die bereit sind, sich gegebenenfalls auch gegen die Eltern oder den Schulleiter zu stellen und darauf zu bestehen, dass sie und niemand sonst die pädagogisceh Verantwortung für die Erziehung und Unterricht tragen.

Die Art der Darstellung ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, da sich Hoegg in einem sehr persönlichen Ton an seine Leser wendet. Das mag nicht jeder und es führt zu einer gewissen Aufblähung des Textes. Für den Juristen ungewohnt ist auch die teilweise sehr offen subjektiv geprägte Bewertung von Rechtsfragen, die allerdings - immerhin - als persönliche Meinung des Autors erkennbar ist.

Obwohl das Buch insgesamt durchaus gelungen ist, bleiben leider zahlreiche Lücken. So geht Hoegg zwar an mehreren Stellen auf die Konferenzen ein. Das durchaus spannungsgeladene Verhältnis zwischen Schulleitung und Konferenzen wird jedoch nicht angemessen aufgearbeitet. Völlig ausgeblendet wird auch das Personalvertretungsrecht, obwohl die Personalräte gerade in schulrechtlichen Fragestellungen doch häufig die erste Anlaufstelle sind. Ausgeblendet werden auch die Lernmittelfreiheit und Hilfen für benachteiligte Schüler, obwohl die Lehrkräfte gerade hier ganz entscheidend zur Herstellung von Chancengleichheit im Bildungswesen beitragen können. Im Zusammenhang mit Kriminalität an der Schule werden zwar die Polizei und die Staatsanwaltschaft erwähnt, nicht jedoch die Jugendämter und die Schulsozialarbeiter, die es mittlerweile an vielen Schulen gibt. Und schliesslich wird auch die Problematik religiös geprägten Verhaltens nicht wirklich angemessen erfasst, weil die Leser keine Handreichung dafür bekommen, wie Sie mit Schülern oder deren Eltern umgehen sollen, wenn diese unter Berufung auf ihre Glaubensfreiheit besondere Rechte einfordern. Aufgrund dieser - angesichts des Umfangs unvermeidbaren - Lücken reicht das Schulrecht in einem ernsthaften Konfliktfall nicht als Grundlage für eine wirklich fundierte Entscheidung aus.

Alles in Allem bietet das Buch von Günther Hoegg eine gute Einführung, die neugierig machen kann und vor allem den Adressaten aufzeigt, dass Sie keine Angst vor dem Schulrecht haben müssen. Und damit ist schon eine ganze Menge geschafft.

Günter Hoegg: “Schulrecht”, Weinheim und Basel (Beltz) 2006, ISBN 3-407-25411-3, 22,90 EUR.

P.S.: Eine weitere Rezension des besprochenen Werkes findet sich hier.


Dieser Eintrag wurde am Freitag, den 29. September 2006 um 11:43 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Allgemein zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


2 Kommentare zu “Günther Hoegg: Schulrecht”

  1. Dr. jur. G. Hoegg

    Sehr geehrter Herr Dr. Rux,

    ich habe vor kurzem Ihre Rezension gelesen, und Sie haben natürlich Recht mit Ihren kritischen Anmerkungen.
    Das von Ihnen weitergeführte Buch von Niehues ist systematischer, fundierter und vollständiger, aber Sie schreiben auch für einen anderen Adressatenkreis.
    Wenn jedoch ein Buch für die nachwachsende Lehrergeneration einerseits nicht zu lang, andererseits aber sprachlich und emotional “aufgepeppt” werden soll, ergeben sich zwangsläufig Lücken. Einige davon werde ich versuchen, in der übernächsten Auflage ansatzweise zu schließen.
    Mit den besten Grüßen
    Günther Hoegg

  2. Johannes Rux

    @ G. Hoegg:

    Ich hoffe, dass Sie sich auch über das Lob gefreut haben ;-) Es ist ja klar, dass eine Einführung lückenhaft sein muss. Umso erfreulicher ist es, wenn Sie nun versuchen wollen, einige dieser Lücken zu schliessen.

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