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Auch Nobelpreisträger können irren

Es tut mir ja leid, aber wenn ein veritabler Nobelpreisträger wie Gary S. Becker meint, gleich mehrfach öffentlich für die Todesstrafe werben zu müssen, dann sollte man doch erwarten, dass er sich auf überzeugende Argumente stützen kann. Die Studien, die eine abschreckende Wirkung der Todesstrafe belegen wollen, gründen allerdings durchweg auf der Vorstellung, dass das menschliche Handeln stets auf vernünftigen Erwägungen begründet ist (rational choice). Hinter Tötungsdelikten stehen jedoch allzu oft höchst irrationale Motive. Eine abschreckende Wirkung der Todesstrafe lässt sich daher empirisch nicht belegen.


Dieser Eintrag wurde am Dienstag, den 24. Oktober 2006 um 10:59 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Allgemein zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


2 Kommentare zu “Auch Nobelpreisträger können irren”

  1. Sebastian

    Ein empirischer Beweis, der auf Vorstellungen beruht, ist - mit Verlaub - schon ein Widerspruch in sich. Als weiteres “empirisches” Gegenargument lassen sich natürlich die belegten Justizirrtümer anführen. Letztlich ist die Einführung der Todesstrafe aber keine rein “empirische” Frage, sondern eine ethische. Eine rein empirische Betrachtung ist ebenso menschenunwürdig wie die Todesstrafe selbst. Auf ethischer Ebene kann der Todesstrafe jedoch leider nur die eigene Überzeugung entgegengesetzt werden, kein “Nachweis”. Diese beiden Argumentationsebenen, die immer wieder unzulässig vermischt werden, finden sich in vielen weiteren Grundsatzdebatten (Flugzeugabschuss, Embryonen usw.).

  2. Johannes Rux

    Man kann durchaus der Auffassung sein, dass die Frage nach Einführung bzw. Beibehaltung der Todesstrafe allein aufgrund ethischer Erwägungen beantwortet werden darf. Das ist aber nicht zwingend. Wer wie Gary S. Becker auf Grundlage einer “Kosten-Nutzen-Relation” (”jede Hinrichtung rettet durch ihre abschreckende Wirkung Menschenleben”) entscheiden will, muss es sich aber gefallen lassen, dass seine Modellannahmen kritisch hinterfragt und seine Theorie auf Grundlage der empirisch belegbaren Fakten überprüft werden. Und genau hieran scheitert Beckers Argumentation.

    Eine ethische Argumentation, die im klaren Widerspruch zum empirischen Befund stünde, würde mich jedoch ebensowenig überzeugen.

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