Informationen und Anmerkungen


Das Land Baden-Württemberg und das Haus Baden

height="1" alt=""/>Weitgehend unbemerkt von der Blogosphäre spielt sich im Land Baden-Württemberg derzeit ein kleines Schauermärchen ab: Da steht auf der einen Seite das früherer Herrscherhaus des Grossherzogtums Baden. Dieses hat zwar bereits 1918 abgedankt. Das “Privatvermögen” der Fürstenfamilie fiel deshalb jedoch nicht automatisch an das Land. Vielmehr wurde im Jahre 1919 ein Vertrag geschlossen - streng nach dem bereits damals geltenden Grundsatz, dass eine entschädigungslose Enteignung unzulässig ist. Eigentlich hätte man natürlich zunächst einmal klären müssen, was zum Privateigentum der Fürstenfamilie gehört und was ohnehin Eigentum des badischen Staates ist - das hat man jedoch nicht oder nur unvollkommen getan. Statt dessen ergab sich aus dem Vertrag von 1919, dass der Fürstenfamilie auf jeden Fall genug für ein standesgemässes Auskommen verbleiben sollte. Unter anderem behielt die Familie über 300 wertvolle Gemälde, ausgedehnten Grundbeseitz und nicht zuletzt das säkularisierte Kloster Salem als künftigen Sitz der Familie für sich.

So weit, so gut. Während der Privatsekretär des letzten Reichskanzlers Kurt Hahn aufgrund seiner guten Kontakte zu Prinz Max von Baden in Salem ein reformpädagogisches Internat aufbauen durfte, ging die Fürstenfamilie nicht gerade sparsam mit ihrem Vermögen um. Zwar war man als Grossgrundbesitzer einigermassen vor den Folgen der Hyperinflat geschützt. Die krisenhaften Entwicklungen führten jedoch dazu, dass bald wieder Ebbe in der Kasse herrschte. Um zu verhindern, dass das Familienvermögen versilbert und in alle Winde zerstreut wird, ordnete der frühere Grossherzog Friedrich II. 1927 in seinem Testament an, dass diejenigen Kunstgegenstände, die nicht schon ohnehin dem Land gehörten, in eine Stiftung eingebracht und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden sollten - unter anderem im zum Museum umgewandelten früheren Residenzschloss in Karlsruhe.

Die Not nahm kein Ende und die Erben wollten Kasse machen. Mit der Drohung, dass man andernfalls ins Ausland verkaufen werde, erreichte man im Jahre 1930, dass das Land Baden dem früheren Herrscherhaus nochmals eine erhebliche Finanzspritze gewährte. Im Gegenzug erhielt das Land zahlreiche Kunstgegenstände.

Nun kommt ein kleiner Zeitsprung: Zu Beginn der neunziger Jahre stand das frühere Fürstenhaus wieder einmal schlecht da. Nach dem Niedergang der Landwirtschaft und aufgrund einiger Fehlentscheidungen hatte sich ein Schuldenberg aufgetürmt. Dieser wurde durch eine spektakuläre Auktion abgebaut, in deren Rahmen die Einrichtung des Schlosses Baden-Baden unter den Hammer kam. Im Rahmen dieser Auktion bot auch das Land Baden-Württemberg eifrig mit. Unter anderem, um eine bis dahin nicht bekannte geschlossene Bibliothek zu erwerben.

Auch diese Finanzspritze änderte nichts an den strukturellen Problemen. Insbesondere stiegen der Familie Baden die Kosten für den Erhalt ihrers Familiensitzes in Salem über den Kopf. Zwar sind auch erhebliche Mittel zur Förderung der Denkmalpflege aufgewendet worden und die vielen Besucher, die sich jedes Jahr zu Schlossbesichtigungen einfinden, tragen sicher einen nicht unerheblichen Teil zur Finanzierung der Anlagen bei. Dennoch wollte man wieder Geld haben - und nahm Verhandlungen mit dem Land Baden-Württemberg auf. Wieder stand die Drohung im Raum, dass man wertvolle Kunstgegenstände nicht nur aus dem Land, sondern aus dem Blickfeld dcer Öffentlichkeit entfernen könnte. Ministerpräsident Oettinger entstann schliesslich ein Drei-Säulen-Modell, nach dem insgesamt 70 Millionen EUR zur “Rettung des Hauses Baden”aufgebracht werden sollten - zum allergrössten Teil aus Mitteln, die nun anderen Institutionen fehlen werden.

Und dabei hat man völlig übersehen, dass offensichtlich ein grosser Teil der Kunstschätze, die nun versilbert werden sollen, bereits seit 1919 oder 1930 dem Land gehören. Peinlicher geht es kaum. Leider ist der ausführliche Beitrag von Dieter Mertens nicht in der online-Ausgabe der FAZ zu finden. Aber ein erster Einstieg findet sich hier.

Wie war das noch mit der Republik?


Dieser Eintrag wurde am Freitag, den 3. November 2006 um 7:30 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Allgemein zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


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