Informationen und Anmerkungen


Ausbeutung auf höchstem Niveau

Über das Rundschreiben eines Verbandes bin ich auf diese, schon etwas ältere Meldung des Tagesspiegel gestossen, aus der sich ergibt, dass der Verdienst der an Berliner Universitäten beschäftigten Privatdozenten
seit 1973 unverändert geblieben sei. Die Unterrichtsgeldpauschale liege nach wie vor bei 76,69 Euro pro Semesterwochenstunde (früher waren das einmal 150 DM).

Die Meldung beruht auf der Antwort von Wissenschaftssenator Zöllner auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Michael Arndt, aus der sich auch ergibt, dass weder dem Berliner Senat noch der KMK Erkenntnisse über die Bedingungen in anderen Bundesländern vorliegen.

Dies ist auch gut so, denn andernfalls wäre der Tagesspiegel ohne Weiteres darauf gestossen, dass die Berliner Privatdozenten damit weitaus besser dastehen als die meisten ihrer Kollegen im Rest der Republik: Zum einen ist der von Wissenschaftssenotar Zöllner genannte Umfang der sogenannten Titularlehre mit 1 SWS kleiner als im Rest der Welt: Meistens werden 2 SWS verlangt, so dass inclusive einer angemessenen Vor- und Nachbereitung mindestens ein halber Arbeitstag blockiert wird. Zum anderen “dürfen” die Privatdozenten ausserhalb Berlins ihre Dienste in der Regel völlig kostenlos anbieten. Da einige Landeshochschulgesetze ausdrücklich vorschreiben, dass die Titularlehre nicht von einer Vergütung abhängig gemacht werden darf, schliessen die Hochschulen ohne Weiteres darauf, dass auch freiwillig keine Vergütung gezahlt werden soll.

Und nachdem man das schon immer so gemacht hat, können die Studiengebühren nicht dafür genutzt werden, den Privatdozenten zumindest einen honorierten Lehrauftrag anzubieten. Denn mit den Gebühren dürfen ja nur zusätzlich Angebote finanziert werden: Also Tutorienprogramme oder die Verbesserung der Bibliotheksausstattung. Dabei sei festgehalten, dass “normale” Lehraufträge deutlich schlechter bezahlt werden als die Berliner Pflichtlehre: Für “professorale Lehre” sind Sätze von 20 bis 30 EUR üblich; zuzüglich werden Fahrtkosten erstattet. Reich würden die Privatdozenten also nicht. Sie bekämen lediglich eine kleine Anerkennung für ihre Leistung.

Wenn selbst diese Anerkennung ausbleibt, fragt man sich schon, wie in einem solchen System die Begeisterung für die Lehre geweckt werden soll…

Ergänzend sei in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass der erwähnte Verband sich massiv gegen die Pläne zur Einführung von Lehrprofessuren ausgesprochen hat. Forschung und Lehre bildeten eine Einheit - SPON hat heute schon zu Recht angemerkt, dass aus dieser Perspektive durchaus merkwürdig anmutet, wenn derselbe Verband es gleichzeitig für sinnvoll hält, Professoren ganz von der Lehre zu entpflichten.

Ich weiss auch nicht, warum ich da an ein Strumpfband denken muss.


Dieser Eintrag wurde am Mittwoch, den 21. März 2007 um 16:36 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Arbeitsrecht, Bildungsrecht zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


Ein Kommentar zu “Ausbeutung auf höchstem Niveau”

  1. Kraus

    Auch Ausbeutung, aber ohne Niveau!

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    Ist Organisation wirklich alles?

    Pet 4-14-16-8000-048706

    Der Petitionsausschuß schreibt und das deutsche Parlament bestätigt:

    Der Petent beanstandet, dass im Bereich der Arbeitsverwaltung Angestellte, die sich in einem b e f r i s t e t e n Arbeitsverhältnis befanden, mit der Wahrnehmung hoheitlicher Aufgaben betraut worden seien.

    Die Arbeitsverwaltung hatte Prüfgruppen zur verstärkten Bekämpfung der illegalen Beschäftigung eingerichtet. Da die anfallenden Aufgaben nicht von dem vorhandenen Personal wahrgenommen werden konnten, wurden zusätzliche Angestellte mit Zeitarbeitsverträgen eingestellt.

    Der Petent war als Aushilfsangestellter im Bereich des Außendienstes der Leistungsabteilung eines Arbeitsamtes in den neuen Bundesländern als Bürosachbearbeiter tätig. Dabei oblag ihm im Zusammenhang mit der Bekämpfung illegaler Beschäftigung die Prüfung von Firmen.

    Der Petent wirft dem Arbeitsamt vor, dass sich wegen seiner Tätigkeit als Prüfkraft die Suche nach einem neuen Arbeitsplatz problematisch gestalten könne. (Zumal dies ja auch unbedingt im Arbeitszeugnis geschrieben stehen muss!)

    Eine von vielen abschlägigen Bewerbungsinitiativen 29.03.2005
    …..” teilen wir Ihnen mit, dass wir Ihre betriebsprüferischen Qualitäten zur ordnungs- und strafrechtlich präventiven Belehrung und Kontrolle nicht in Anspruch nehmen möchten”…..
    Regionaldirektor/Bausparkasse/Privatkundenservice

    Hierbei kann es sich um Aufgaben handeln, deren Dauer von vornherein zeitlich begrenzt ist und für die ein eigener Beamtenstab aus staatsorganisatorischen Gründen nicht aufgebaut werden kann oder soll.

    Also, ist staatsorganisatorisch die Verfolgung von Firmen und Arbeitgebern mit denselben Rechten und Pflichten wie im Polizeivollzugsdienst hier saisonabhängig und in privatrechtlich b e f r i s t e t e n Aushilfsangestelltenverträgen, auch als Leiter von Außenprüfungen mit erweiterten Prüfungsrechten und dem Ziel der Festsetzung mit sofortiger Abschiebung illegal eingereister ausländischer Arbeitnehmer an den bundesdeutschen Grenzen zu Polen und der Tschechischen Republik, den bundesdeutschen Rechtsnormen entsprechend!

    hierzu der BAG-Leitsatz vom 23.1.2002, Urt. 7 AZR 461/00:
    “Bei Aufgaben, die der Bekämpfung der illegalen Beschäftigung im Bereich der Bauwirtschaft dienen, handelt es sich nicht um zeitlich begrenzte Tätigkeiten, sondern um Daueraufgaben“.

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    Wie hätten Sie diesen Missbrauch organisiert? Schreiben Sie mir.

    J. Kraus

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