Informationen und Anmerkungen


Ethikunterricht in Berlin verfassungsgemäss

Nur ein kleiner Hinweis auf den heutigen Beschluss des BVerfG, mit dem das Gericht den in Berlin eingeführten obligatorischen Ethik-Unterricht für verfassungskonform erklärt hat. Recht so!

Angesichts der trotz des “Wir sind Papst”-Effektes immer weiter nachlassenden Bindungskraft der christlichen Grosskirchen wäre es durchaus zu begrüssen, wenn andere Länder diesem Vorbild folgen und den Ethik-Unterricht nicht nur als Ersatzfach für diejenigen Schüler ausgestalten würden, die nicht am konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen. Denn wie das BVerfG nun völlig zu Recht klar gestellt hat, ist der konfessionelle Religionsunterricht mit einem auf den Dialog zwischen Schülern mit unterschiedlicher Religionszugehörigkeit und Weltanschauung nicht zu vergleichen. Dieser Dialog wird aber immer wichtiger.


Dieser Eintrag wurde am Donnerstag, den 19. April 2007 um 9:20 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Bildungsrecht, Staatsrecht zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


4 Kommentare zu “Ethikunterricht in Berlin verfassungsgemäss”

  1. Christian

    Wie soll denn ein Dialog stattfinden, wenn die Grundlagen des eigenen Glaubens nicht klar sind? Eine interreligiöse Diskussion zwischen Acht- oder Zehntklässlern ist doch von vornherein zum Scheitern verurteilt, wenn es am Wissen fehlt. Wie soll z.B. ein katholischer Schüler mit einem Moslem qualifiziert über die unterschiedlichen Monotheismus-Konzepte diskutieren, wenn es keinen konfessionellen Unterricht mehr gibt, in dem das Konzept der Trinität behandelt wird?

    Auf einen gemeinsamen Nenner werden diese Religionen in Glaubensfragen wohl kaum kommen. Daß sich der Staat anmaßt, dieses Grundwissen für obsolet zu erklären und eine “ethische” Richtung vorgeben will (es fragt sich allerdings, welche - vielleicht eine atheistische?), haben sich die Mütter und Väter des Grundgesetzes sicher nicht vorgestellt.

  2. Johannes Rux

    Völlig einverstanden. Es kann aber keine Rede davon sein, dass der Religionsunterricht in Berlin abgeschafft worden wäre. Den gibt es nach wie vor - allerdings (wie schon immer) nicht als Pflichtfach, sondern als freiwilliges Angebot. Wer an diesem Unterricht teilnehmen will, kann das tun.

    Es kann auch keine Rede davon sein, dass es im Ethik-Unterricht nur darum ginge, Gläubige der verschiedenen Konfessionen zusammen zu bringen und zum Dialog zu zwingen. Vielmehr kommen viele Kinder und Jugendliche in einem solchen Unterricht überhaupt zum ersten Mal intensiver mit Fragen der Religion und Weltanschauung in Berührung. Hier kann und soll der Dialog dem Einzelnen helfen, seinen eigenen Weg zu finden - eine Vorstellung, die für überzeugte Anhänger einer Religion in der Regel schrecklich ist. Wenn schon die Teilnahme am Ethik-Unterricht dazu führen kann, dass sich Kinder, die in ihren Familien religiös erzogen wurden und die am konfessionellen Religionsunterricht teilnehmen, vom Glauben ihrer Eltern abwenden, dann kann dieser Glaube ihnen nicht wirklich Halt gegeben haben.

  3. Engin Karahan

    Es stellt sich nur die Frage, wie weit denn ein Fach oder ein dafür erstelltes Curriculum dem Dialog auf die Sprünge helfen können. Ich hatte das Vergnügen in Rheinland-Pfalz einige Jahre an dem für die nicht religionsunterrichteten Teilnehmen zu müssen. Müssen sage ich, weil der Unterricht dem schon damals recht hoch angesetzten ethischen Anspruch kaum gerecht werden konnte. Anfangs bestand der “Ethik”-Unterricht aus der Bereitstellung einer Aufsicht. Dann kamen reihum die bereits an der Schule beschäftigten Religionslehrer reihum dran. In Klasse 9 konnte dann endlich ein Lehrer mit “philosophischer Ausbildung” aufgetrieben werden. Im Rückblick kann ich mich eigentlich nur noch an seine Scheuklappen und einen Recht starken “-ismus”-Bezug erinnern. Nicht mal den unterschiedlichen philosophischen Schulen gegenüber konnte er eine gewisse Neutralität wahren, ganz zu schweigen in seiner Haltung gegenüber den Religionen. Interessant war, dass sich spätestens nach einem Jahr so gut wie jeder muslimischer Schüler und jede Schülerin vom Ethik-Unterricht ab- und zum ev. Religionsunterricht angemeldet hat.

    Natürlich ist dies ein Einzelfall, die negative Erfahrung resultierte sowohl aus der harten Haltung des Lehrers und sich dem entgegenstellenden Trotzreaktionen der Schüler. Aber gerade solche Fälle zeigen auch auf, dass mit den hochtrabenden Formulierungen in den Schulgesetzen und den Richtlinien noch nicht viel gesagt ist. Gute und schlechte Lehrer gibt es in jedem Fach, nur macht es einen Unterschied, den Sachstand eines Faches zu kennen und gut rüberzubringen. Für Mathe mag es ausreichen, den Sachstand wiederzugeben, für einen ob man will oder nicht zwangsläufig von Wertvorstellungen und Weltanschauungen geprägten Unterricht ist dies sicherlich nicht ausreichend.

  4. Johannes Rux

    Auch hier wieder: Da kann man nur zustimmen. Es kommt sicher auf die Qualität des Unterrichts an. Ein guter konfessioneller Religionsunterricht kann unter Umständen ein umfassenderes und tieferes Verständnis anderer Religionen und Weltanschauungen vermitteln als ein schlechter Ethik-Unterricht. Nach meiner Erfahrung kommt es dabei nicht zuletzt darauf an, ob der konfessionelle Religionsunterricht von Geistlichen erteilt wird, die in der Regel davon ausgehen, dass Ihre Schüler fest im Glauben sind und darin weiter bestärkt werden sollten, oder von Pädagogen, die den Religionsunterricht eher wie jedes andere Unterrichtsfach ansehen und eine gewisse Distanz zum Gegenstand behalten.

    Wenn man einen Ethikunterricht als Pflichtfach einführt, muss man daher für eine solide Ausbildung der Lehrkräfte sorgen. Diese müssen in der Tat nicht nur religionskundliche Kenntnisse aufweisen, sondern “interreligiöse Kompetenz”. Wie diese Kompetenz vermittelt werden soll, ist eine ganz entscheidende Frage - die keineswegs nur den Ethikunterricht betrifft. Vielmehr müssen heute fast alle Lehrkräfte dazu in der Lage sein, mit Schülern aus verschiedenen Kulturen und verschiedener Konfessionen angemessen umzugehen.

Einen Kommentar schreiben:


Die Seiten von staatsrecht.info wurden seit dem 24.04.2001 von mindestens   Personen besucht. 


Kontakt - Impressum - ISSN 1862-3204

 Valid RSS!   Creative Commons License