Informationen und Anmerkungen


Merkwürdiges Verständnis von Human Resource Management…

DIHK-Geschäftsführer Martin Wansleben füllt das Sommerloch mit der interessanten Forderung, dass die Arbeitnehmer doch bitte den Urlaub für ihre Weiterbildung nutzen sollen. Schliesslich hätten Arbeitnehmer in Deutschland im europäischen Vergleich (fast) die meisten freien Tage und (fast) die geringste Jahresarbeitszeit. Da bleibe genügend Luft, um noch die eine oder andere Weiterbildungsmassnahmen unterzubringen.

Pikant wird diese Forderung, weil Wansleben sie mit dem absehbaren Fachkräftemangel begründet. fragt man sich schon, wer eigentlich ein Interesse an gut ausgebildeten Fachkräften hat… Ein Unternehmen, das sicherstellen will, dass ihm auch in Zukunft genügend hinreichend qualifizierte Mitarbeiter zur Verfügung stehen, scheint gut beraten, seine Mitarbeiter zur Teilnahme an Weiterbildungsmassnahmen zu motivieren. Und das lässt sich kaum damit erreichen, dass man diese Weiterbildung in die Freizeit verlegt.

Immerhin hat Wandsleben nicht auch noch gefordert, dass die Mitarbeiter die Kosten für die Teilnahme an den Weiterbildungsmassnahmen selbst übernehmen sollen…


Dieser Eintrag wurde am Freitag, den 3. August 2007 um 11:00 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Allgemein zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


3 Kommentare zu “Merkwürdiges Verständnis von Human Resource Management…”

  1. MaxR

    > Immerhin hat Wandsleben nicht auch noch gefordert, dass die Mitarbeiter die Kosten für die Teilnahme
    > an den Weiterbildungsmassnahmen selbst übernehmen sollen…
    Das muß er doch nicht fordern, das versteht sich für so jemanden wie Wandsleben einfach sowas von selbst - schließlich zahlt ja der AG auch im Urlaub das Gehalt - und evtl sogar noch ein Urlaubsgeld obendrauf. Dafür hat doch der AG ein wenig Engagement des AN im Urlaub verdient, meinen Sie nicht?

  2. Michael C. Neubert

    Mit einer gemäßigten Forderung hätte es Wansleben nicht in die Presse geschafft, also muss er eine drastische und unbequeme Forderung stellen, damit er Denkanstöße geben kann.
    Gute Qualifizierung sollte eigentlich auch im Interesse des Arbeitnehmers sein, weil es seine Aufstiegschancen und Verdienstmöglichkeiten verbessert und dafür kann man sicher etwas Freizeit opfern. Meine Seminare liegen regelmäßig auch am Samstag - aber ich bin ja auch selbständig.
    Übrigens hat sich ein dozierender Richter neulich über seine Kollegen beschwert, die er Samstags unmöglich zu einem Seminar bekommt und für die das Wort “fort” in Fortbildung der wichtigere Bestandteil einer solchen Veranstaltung ist.

    Clevere Arbeitgeber gewähren von vornherein Bildungsurlaub - den gibts dann nur, wenn er tatsächlich für Weiterbildung genutzt wird.

  3. Johannes Rux

    Natürlich sollte eine gute Qualifikation auch im Interesse des Arbeitnehmers liegen - wobei das Beispiel von Neubert den Zusammenhang zwischen Beschäftigungsgarantie und Opferbereitschaft mehr als deutlich illustriert… Aber: Wenn es darum geht, dem Fachkräftemangel entgegen zu wirken, dann ist es mit Sicherheit wenig sinnvoll, die Verantwortung und die Lasten auf die Arbeitnehmer zu schieben. Hier sind in erster Linie die Arbeitgeber gefordert.

    Bildungsurlaub klingt interessant - wobei die Regelungen da von Land zu Land sehr unterschiedlich sind. Zudem geht die Initiative hier immer vom Arbeitnehmer aus, während Wansleben gerade das Interesse der Arbeitgeber betont hat. Diese müssen nicht auf einen Antrag auf Bildungsurlaub warten, sondern können ihre Mitarbeiter im Zweifel im Rahmen ihres Direktionsrechts zur Teilnahme an Fort- und Weiterbildungsmassnahmen verpflichten. Dann sind sie aber auch verpflichtet, diese Maßnahmen zu finanzieren und die betroffenen Mitarbeiter zu beurlauben.

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