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Udo Di Fabio: Die Kultur der Freiheit

Nachdem ich ja bereits auf das neueste Werk von Udo Di Fabio und die harschen Vorab-Rezensionen in SZ und FAZ hingewiesen habe, ist mir heute ein Besprechungsexemplar des Buches ins Haus geflattert. Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen. Denn nachdem ich am vorletzten Wochenende mit Harry Potter verbracht hatte, war in der letzten Woche die “Kultur der Freiheit” dran.

Eigentlich wollte ich mich mit meiner Kritik ja vornehm zurück halten, aber nachdem der Verlag in gewisser Weise in Vorleistung gegangen ist, stehe ich in gewisser Weise in der Pflicht, zumindest einen kurzen Kommentar abzugeben: Ein durchaus interessantes Buch, das - zum Glück - bei weitem nicht so reaktionär ausgefallen ist, wie man es insbesondere nach den Anmerkungen von Heribert Prantl befürchten musste. Der mehr als fragwürdige Versuch, Adolf Hitler als Fremdkörper in der deutschen Gesellschaft zu definieren, indem ihm die “deutschen Eigenschaften” abgesprochen werden, ist die schlimmste und wohl auch die einzige Entgleisung. Hier wäre vielleicht der Lektor gefordert gewesen, die Notbremse zu ziehen. Aber sei`s drum. Subtiler, aber historisch ebenfalls fragwürdig ist die Schilderung der Machtübernahme als Verführung des an sich guten deutschen Volkes - wobei Di Fabio auf der anderen Seite keinen Zweifel daran lässt, dass die friedlichen Bürger spätestens in dem Moment ihre Unschuld verloren haben, als sie tatenlos der Entrechtung ihrer jüdischen Mitbürger zusahen.

Viel wichtiger als der kurze Abschnitt über Deutschland im Nationalsozialismus sind aber die Analyse der gesellschaftlichen Probleme und die Vorschläge, die Udo Di Fabio zur Lösung dieser Probleme unterbreitet. Die Analyse ist durchaus überzeugend. Zumindest jeder, der Kinder hat und/oder sich ehrenamtlich betätigt, wird sich bei heftigem Kopfnicken ertappen: Gesellschaftliches Engagement ist heute - in welcher Form auch immer - mehr denn je ein Hobby, das man sich erst einmal leisten können muss. Nicht wirklich überzeugen kann aber Di Fabios Beschreibung der Ursachen dieses Prozesses: Wenn er dem Kulturellen Establishment hier einen grossen Teil der Verantwortung zuschieben will, kommt der Umstand zu kurz, dass in einem demokratischen System den Interessen der Wahlberechtigten zwangsläufig eine allzu grosse Bedeutung zukommt. Schliesslich haben die Kulturschaffenden den Prozess der Säkularisierung und Ökonomisierung des täglichen Lebens nicht angestossen, sondern sie rezipieren ihn lediglich.

Über die These, dass die heutigen Probleme letzten Endes die Vollendung der Epoche der Aufklärung darstellen, lässt sich durchaus diskutieren. Auch wäre die Welt möglicherweise “besser”, also familienfreundlicher und überhaupt den künftigen Generationen und dem Gemeinwohl stärker verpflichtet, wenn die Menschen wieder zum Glauben fänden (was viele ja durchaus versuchen, nur eben ausserhalb der christlichen Grosskirchen). Di Fabio lässt aber völlig offen, wie die Menschen hierhin geführt werden sollen. Denn das Wissen und der Zweifel an der Existenz einer höheren Ordnung lassen sich ja nicht mehr aus der Welt schaffen. Um die von Di Fabio dargestellten Probleme lösen zu können, müssen in einer säkularisierten und materialistischen Gesellschaft daher andere Antworten gefunden werden. Insbesondere geht es darum, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf durch angemessene Betreuungsangebote zu fördern und Menschen, die aus anderen Kulturkreisen nach Deutschland gekommen sind oder in einer Subkultur in Deutschland leben, weitaus besser als bisher in die Gesellschaft zu integrieren. Die Notwendigkeit solcher Reformen wird von Di Fabio durchaus angesprochen - konkrete, in sich schlüssige Vorschläge macht er jedoch nicht.

Und sonst: Selber lesen…


Dieser Eintrag wurde am Freitag, den 5. August 2005 um 14:17 Uhr erstellt und ist in der Kategorie Allgemein, Staatsrecht zu finden. Sie koennen die Kommentare zu diesem Eintrag durch den RSS 2.0 Feed verfolgen. Sie koennen einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.


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